Grundlagen

Warum Anwält:innen und Berater:innen über ihr Personal Branding nachdenken sollten

Für viele Anwält:innen, Jurist:innen und Berater:innen ist Personal Branding ein Thema für später, etwas, das ansteht, wenn gerade Zeit dafür ist. Mehrere aktuelle Studien zeigen aber, wie eng sichtbare, klare Kommunikation tatsächlich mit Mandaten, Vertrauen und Wachstum zusammenhängt.

Die meisten Anwält:innen und Berater:innen, mit denen ich arbeite, haben viel Erfahrung, fachliche Substanz und eine eigene Perspektive. Woran es oft fehlt, ist die Übersetzung nach außen: eine klare Botschaft, ein erkennbares Profil, eine Sprache, die Mandant:innen und Kund:innen verstehen und weitererzählen können.

Deshalb rutscht diese Arbeit bei vielen weit nach hinten. Sie fühlt sich wie Zusatzaufwand neben der eigentlichen fachlichen Arbeit an. Bei genauerem Hinsehen hängt aber ziemlich direkt davon ab, ob gute Arbeit überhaupt gefunden, verstanden und beauftragt wird.

Was die Forschung zeigt

Vier Befunde zum wirtschaftlichen Wert sichtbarer Expertise

Aus Kauf-, Verhaltens- und Kommunikationsforschung der letzten Jahre — mit Verweis auf die Originalquellen am Ende der Seite.

61%
der B2B-Käufer:innen bevorzugen eine Kauferfahrung ganz ohne Vertriebskontakt

Eine Gartner-Erhebung von Juni 2025 zeigt außerdem: 73% meiden aktiv Anbieter, die sie mit irrelevanter Ansprache kontaktieren. Ihr Bild von einer Person oder einem Anbieter bilden sich Käufer:innen meist schon, bevor ein erstes Gespräch stattfindet — über sichtbaren Content und das, was im eigenen Netzwerk kursiert. [1]

53%
der verlorenen B2B-Deals wären laut Corporate Visions gewinnbar gewesen

Über 100.000 ausgewertete Win/Loss-Analysen zeigen: Ausschlaggebend war meist die Klarheit der Botschaft — wichtiger als Funktionsumfang oder Preis. [2]

75%
der Entscheider:innen recherchieren durch gute Fachbeiträge ein Angebot, das vorher gar nicht auf ihrem Radar war

Der Edelman-LinkedIn Thought Leadership Report befragt jährlich mehrere Tausend Entscheider:innen in sieben Ländern. 70% der C-Suite geben an, ein einzelner Beitrag habe sie schon dazu gebracht, eine bestehende Anbieterbeziehung zu hinterfragen. [3]

54%
der C-Level-Führungskräfte lesen wöchentlich mindestens eine Stunde Thought-Leadership-Content

Bei Entscheider:innen insgesamt sind es laut Edelman und LinkedIn 52%. Sichtbare Expertise trifft damit auf ein Publikum, das aktiv danach sucht. Personal Branding bedient eine reale Nachfrage. [3]

Für dich konkret

Was das für deine Situation bedeutet

Wie stark sich das auswirkt, hängt von deiner Ausgangslage ab.

Anwält:innen & Jurist:innen

Positionierung ist einer deiner wichtigsten Mandatshebel. Wenn Mandant:innen erst verstehen müssen, wofür du stehst, dauert die Akquise länger, und du landest schneller in Preisvergleichen statt in Vertrauensgesprächen.

B2B-Berater:innen

Sichtbarkeit entscheidet mit, wer für welche Themen angefragt wird und wer als erste Anlaufstelle gilt, mit Folgen für Projekte, Aufträge und die eigene Reputation im Markt.

Expert:innen in Professional Services

Klare Kommunikation macht Vertrauen greifbar, bevor das erste Gespräch überhaupt stattfindet. Mandant:innen, Kund:innen und künftige Kolleg:innen urteilen oft allein danach, was öffentlich sichtbar ist.

Das Teure an fehlender Positionierung ist, dass es unsichtbar bleibt. Es gibt keine Rechnung für die Anfrage, die nie gestellt wurde, weil jemand anderes klarer kommuniziert hat, oder für das Mandat, das an eine Person mit schärferem Profil ging. Das macht das Thema leicht aufschiebbar, obwohl die Datenlage eindeutig ist.

In der Praxis zählt oft, wie klar dein Profil ist, nicht nur, wie gut deine Arbeit tatsächlich ist.

Willst du wissen, wo du stehst?

Personal Branding bedeutet nicht, lauter zu werden oder eine Kunstfigur aufzubauen. Es geht darum, vorhandene Expertise so zu übersetzen, dass andere sie einordnen können. Der Positioning Fingerprint gibt dir dafür in wenigen Minuten eine erste Orientierung — kostenlos und ohne Anmeldung.

Quellen

  1. Gartner: „Gartner Sales Survey Finds 61% of B2B Buyers Prefer a Rep-Free Buying Experience", Juni 2025. gartner.com
  2. Rob Perrilleon / Corporate Visions: „Get Your Message Right: Using Science to Move Decision-Makers", Product Marketing Alliance (basierend auf 100.000+ Win/Loss-Analysen von Corporate Visions). productmarketingalliance.com
  3. Edelman & LinkedIn: „2024 B2B Thought Leadership Impact Report" (ca. 3.500 befragte Entscheider:innen und C-Level-Führungskräfte in sieben Ländern). edelman.com