Für viele Anwält:innen, Jurist:innen und Berater:innen ist Personal Branding ein Thema für später, etwas, das ansteht, wenn gerade Zeit dafür ist. Mehrere aktuelle Studien zeigen aber, wie eng sichtbare, klare Kommunikation tatsächlich mit Mandaten, Vertrauen und Wachstum zusammenhängt.
Die meisten Anwält:innen und Berater:innen, mit denen ich arbeite, haben viel Erfahrung, fachliche Substanz und eine eigene Perspektive. Woran es oft fehlt, ist die Übersetzung nach außen: eine klare Botschaft, ein erkennbares Profil, eine Sprache, die Mandant:innen und Kund:innen verstehen und weitererzählen können.
Deshalb rutscht diese Arbeit bei vielen weit nach hinten. Sie fühlt sich wie Zusatzaufwand neben der eigentlichen fachlichen Arbeit an. Bei genauerem Hinsehen hängt aber ziemlich direkt davon ab, ob gute Arbeit überhaupt gefunden, verstanden und beauftragt wird.
Aus Kauf-, Verhaltens- und Kommunikationsforschung der letzten Jahre — mit Verweis auf die Originalquellen am Ende der Seite.
Eine Gartner-Erhebung von Juni 2025 zeigt außerdem: 73% meiden aktiv Anbieter, die sie mit irrelevanter Ansprache kontaktieren. Ihr Bild von einer Person oder einem Anbieter bilden sich Käufer:innen meist schon, bevor ein erstes Gespräch stattfindet — über sichtbaren Content und das, was im eigenen Netzwerk kursiert. [1]
Über 100.000 ausgewertete Win/Loss-Analysen zeigen: Ausschlaggebend war meist die Klarheit der Botschaft — wichtiger als Funktionsumfang oder Preis. [2]
Der Edelman-LinkedIn Thought Leadership Report befragt jährlich mehrere Tausend Entscheider:innen in sieben Ländern. 70% der C-Suite geben an, ein einzelner Beitrag habe sie schon dazu gebracht, eine bestehende Anbieterbeziehung zu hinterfragen. [3]
Bei Entscheider:innen insgesamt sind es laut Edelman und LinkedIn 52%. Sichtbare Expertise trifft damit auf ein Publikum, das aktiv danach sucht. Personal Branding bedient eine reale Nachfrage. [3]
Wie stark sich das auswirkt, hängt von deiner Ausgangslage ab.
Positionierung ist einer deiner wichtigsten Mandatshebel. Wenn Mandant:innen erst verstehen müssen, wofür du stehst, dauert die Akquise länger, und du landest schneller in Preisvergleichen statt in Vertrauensgesprächen.
Sichtbarkeit entscheidet mit, wer für welche Themen angefragt wird und wer als erste Anlaufstelle gilt, mit Folgen für Projekte, Aufträge und die eigene Reputation im Markt.
Klare Kommunikation macht Vertrauen greifbar, bevor das erste Gespräch überhaupt stattfindet. Mandant:innen, Kund:innen und künftige Kolleg:innen urteilen oft allein danach, was öffentlich sichtbar ist.
Das Teure an fehlender Positionierung ist, dass es unsichtbar bleibt. Es gibt keine Rechnung für die Anfrage, die nie gestellt wurde, weil jemand anderes klarer kommuniziert hat, oder für das Mandat, das an eine Person mit schärferem Profil ging. Das macht das Thema leicht aufschiebbar, obwohl die Datenlage eindeutig ist.
In der Praxis zählt oft, wie klar dein Profil ist, nicht nur, wie gut deine Arbeit tatsächlich ist.